“Papst Benedikt, warum …?”

Lieber Papst Benedikt,

lange habe ich überlegt ob ich einen Brief an Sie schreiben soll. Aufgrund der heutigen Predigt unseres Pfarres sehe ich mich dazu "gedrängt". Ich möchte sehr ehrlich sein zu Ihnen. Darum gleich am Beginn meine Frage:

Warum …

… wurde Bischof Williamsons Exkommunikation aufgehoben?
Es ist für mich unfassbar, dass Sie diese Entscheidung getroffen haben. Für mich ist die einzige Antwort, dass Sie von den Aussagen von Bischof Williamson nichts wussten. Dann haben aber ihre "Informanten" deren Job nicht richtig erfüllt. Ich schließe kategorisch aus, dass Sie davon wussten. Was war kann man nicht mehr ändern. Ich wünsche mir aber, dass Sie nun eine Entscheidung treffen. Und die muss heissen, dass Sie die Pius-Bruderschaft von der Kirche ausschließen.
Bischof Williamson ist einfach untragbar für die katholische Kirche.

Papst Benedikt

… wurde Bischof Wagner ernannt gegen den Willen so vieler?
Als "Chef" unserer Kirche haben Sie Leitungsaufgaben. Es ist schwer es allen recht zu machen. Das kann ich gut nachvollziehen. Als weltweiter Chef ist es schwierig über Länder im Detail Bescheid zu wissen. Warum vertrauen Sie dann nicht auf den Vorschlag der Verantwortlichen in Österreich? Kein Gläubiger hier in unserem Lande kann das nachvollziehen. Was wollten Sie damit bezwecken? Es geht mir hier nicht um die Bewertung von Bischof Wagner. Das kann und will ich nicht. Wäre es in Zukunft nicht denkbar, dass man solche Wahlen demokratischer ablaufen lässt? Ist es von Ihrer Seite ausgeschlossen, dass Laien mitwählen dürfen? Die Kirche darf
nicht gespalten werden.

18. Feber 2009: Zu Herrn Wagner noch folgende Anmerkung: Sie haben unseren vollen Respekt, dass Sie nun das Amt nicht angetreten sind. Schön, dass es Leute wie Sie gibt, denen die Kirche wichtiger ist als die eigene Karriere. Danke!

sagen Sie derzeit nichts?
Sie haben mit ihren Entscheidungen viel in Gang gebracht. Positiv ist, dass nun auch die
Bischöfe ihre Meinung sagen. Das ist ein Fortschritt für unsere Kirche. Wenn Sie nun diese Probleme bewältigen, können Sie gewinnen. Aus meiner Sicht ist es zu ruhig aus dem Vatikan. Jetzt gehören Entscheidungen getroffen. Sie sind der Vater aller Kinder. Ein Vater ist nicht fehlerlos. Die Kinder schätzen einen Vater, wenn er zu seinen Fehlern steht. Nun bitte ich Sie, dass Sie ihr Feedback dazu geben. Damit gewinnen Sie die Herzen vieler zurück!

… sind Sie so harmoniebedürftig?
Gerade als Führungskraft eines Unternehmens muss man unangenehme Entscheidungen treffen. Die Pius-Bruderschaft hat sich selbst von der Kirche ausgeschlossen. Diese Personen haben keine Berechtigung für die Kirche. Schön, dass Sie alle Menschen vereinen wollen. Jedoch sollte man nicht aus "falscher" Harmoniebedürftigkeit alle dazuholen. Viele Christen fühlen sich verletzt. Denken Sie bitte an jene Personen, die geschieden sind. Wie kann ich es meinen Kinder erklären, dass diese ausgeschlossen sind, aber ein Holocaust-Leugner nicht? Mir fehlen dazu einfach die Worte…

Papst Benedikt, ich versichere Ihnen mein inständiges Gebet. Auch möchte ich Ihnen zusichern, dass ich gerne Katholik bin. Ich sehe die vielen Familien, die durch die Kirche zusammengehalten werden. Ich schreibe Ihnen diesen Brief weil ich die Kirche liebe. Mein Herz ist traurig, wenn es von Kirchenaustritten hört. Packen wir gemeinsam diese Situation an! Papst, Benedikt, Jesus hat uns versichert, dass die Kirche immer bestehen bleibt. Bitte setzen Sie nun die notwendigen Taten.

Im Gebet verbunden

Willi von Taufoase.de

PS: Was möchtest du Papst Benedikt schreiben?

(C) Taufoase.de

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Eine Antwort auf “Papst Benedikt, warum …?”

  1. Kirchen Fan sagt:

    Grüß Dich Willi,
    Im Folgenden möchte ich auf Deinen Papst-Brief zu sprechen kommen.
    Eingehend schreibst Du: „Es ist für mich unfassbar, dass Sie diese Entscheidung getroffen haben.“ Auch für mich ist es unfassbar, dass der Papst diese Entscheidung getroffen hatte. Als ich davon erfuhr, war ich ratlos und sehr traurig. Ich sagte mir: es kann doch nicht sein, dass der Papst hinter seine Worte geht. Als Präfekt der Glaubenskongregation hatte er 1988 auf das damalige Exkommunikationsverfahren von Johannes Paul II. einen entscheidenden Einfluss gehabt und dieses weitgehend mitbestimmt. Irgendwas muss vor der Zurücknahme der Exkommunikation vorgefallen sein, was der breiten Oeffentlichkeit nicht bekannt ist. Von daher kann ich Dir nur zustimmen, dass der Papst von den Aussagen von Bischof Williamson nichts wusste, dass er von seinen Informanten falsch informiert wurde. Könnte es sein, dass er absichtlich irre geführt und ganz bewusst von einem oder dem anderen seiner Informanten nicht sachgerecht über die ganze Sachlage der integristischen Bewegung informiert wurde? Ich befürchte das. In dem Falle wäre der Papst konservativen Bestrebungen oder sogar Sympathisanten der integristischen Bewegung, die nicht von vorne herein aus vatikanischen Kreisen kritiklos wegzudenken sind, zum Opfer gefallen. Sollte es so sein, so bedauere ich das sehr.

    Am Aschermittwoch hat der Generalvikar unserer Diözese zur Affäre Williamson öffentlich Stellung bezogen und versichert, der Papst hätte vor einigen Tagen zugegeben, dass seine Informanten ihn in dieser Angelegenheit nicht ausreichend informiert hätten, dass der Entrüstungssturm, den die zurückgenommene Exkommunikation von Bischof Williamson auslöste, auf einen Mangel an Kommunikation innerhalb der Kurie zurückzuführen sei.

    Ferner schreibst Du, dass der Papst die Pius-Bruderschaft wieder von der Kirche ausschließen sollte. Das geht nicht, weil die Aufhebung der Exkommunikation leider nicht rückgängig gemacht werden kann. Damit eine Exkommunikation aufs Neue ausgesprochen werden kann, muss ein innerkirchliches Disziplinarverfahren vorliegen. Damals wurde Bischof Lefebvre exkommuniziert, weil er 4 Bischöfe ordiniert hatte, ohne die erforderte Erlaubnis vom Heiligen Stuhl einzuholen. Die Tatsache, dass Bischof Williamson den Holocaust leugnet, sollte nicht reichen – so ein deutscher Kirchenrechtler (dessen Namen ich mir nicht gemerkt habe), der kürzlich in der Sache befragt wurde – um ihn aufs Neue zu exkommunizieren. Er hätte damit nicht gegen die innere Ordnung der Kirche verstoßen, so der deutsche Kirchenrechtler. Zudem hat Williamson sich angeblich am Donnerstag dieser Woche bei seiner Ankunft in London öffentlich für seine Aeußerungen entschuldigt. So hat es im Abend-Journal geheißen. Was das heißt, weiß ich zur Zeit nicht. Es war lediglich eine lapidare Kundgebung im Abend-Journal. Diese jüngste Stellungnahme von Williamson wird aber sicherlich die ganze Angelegenheit nicht erleichtern.

    Ich verstehe nicht, wieso heute jemand den Holocaust leugnen kann. Entweder ist er verrückt oder er instrumentalisiert diese Behauptung, um bestimmte Interessen durchzusetzen. Im Fall Williamson könnte man sich sehr wohl vorstellen, dass dieser einerseits in die Bestrebungen der Piusbruderschaft, wieder in die Kirche aufgenommen zu werden, einen Keil einjagen wollte und andererseits die Bereitwilligkeit und den gütigen Versöhnungswillen des Papstes torpedieren wollte, so dass das Schisma endgültig und unwiderruflich vollzogen werden könne. In diesem Zusammenhang stimme ich dem Abt von Stift Heiligenkreuz zu, dass Williamson mit seinen Aeußerungen genau das erreichen wollte, was er beabsichtigt hatte. Zitat: „All die, die jetzt den Papst kritisieren, sind in seine Falle gegangen und tun genau das, was Williamson beabsichtigt hat.“

    Man darf nicht vergessen, dass die Piusbruderschaft in der Vergangenheit den heiligen Stuhl verschiedentlich darum gebeten hatte, in die Kirche wieder aufgenommen zu werden. Der Papst ist dieser Bitte nachgekommen, hat dabei aber voreilig gehandelt und die Exkommunikation sine conditione aufgehoben. Er hätte vielmehr verschiedene Bedingungen dabei einfordern müssen, so z.B. die Annerkennung der Religionsfreiheit, der Gewissensfreiheit etc. so wie diese am zweiten vatikanischen Konzil definiert und für uns Katholiken als verbindlich proklamiert wurden.

    Natürlich stimmen die Proportionen nicht. Einerseits wird ein Holocaustleugner, wie Du schreibst, wieder in die Kirche aufgenommen, Geschiedene aber in gewisser Weise von den Sakramenten ausgeschlossen. Ich denke in diesem Zusammenhang an Homosexuelle, denen in einem gewissen Sinne das Recht auf geschlechtliche Anders-Orientierung innerhalb der Kirche abgesprochen wird. Oder was mich in der Vergangenheit sehr bewegt hatte: einerseits werden Theologen wie Hans Küng, Franz Schupp, Drewermann und anderen die Lehrbefugnis entzogen, andererseits aber werden Integristen, die das zweite Vatikanum ablehnen, bedingungslos in die Kirche wieder aufgenommen.

    Du gestehst dem Papst das Recht zu, Fehler zu begehen, so wie jeder andere Mensch auch. Auch der Papst hat das Recht Fehler zu begehen und zu seinen Fehlern zu stehen. Ich glaube, in einem gewissen Sinne hat der Papst sich bereits zu seinem Fehlverhalten bekannt, u.z. dadurch, dass er zugab, dass ein Mangel an Kommunikation im Vatikan vorherrsche. Auch hat er am Freitag dieser Woche von Williamson gefordert, dass dieser seine Thesen über den Holocaust unverzüglich widerrufe. Dass die Bischöfe auf die Entscheidungen des Papstes hin ihre Meinung sagen und das Fehlverhalten des Papstes kritisch hinterfragen, ist sicherlich, wie Du schreibst, ein Fortschritt für unsere Kirche. Ich erkenne aber darin noch ein weiterer Lichtblick, nämlich, dass das Gottesvolk zum Bewusstsein zu kommen scheint, dass die Kirche sich nicht ausschließlich von Rom her versteht, sondern dass wir alle, auch und vor allem in eigener Verantwortung, Kirche sind.

    Ich glaube, dass der Papst aus der Sorge heraus gehandelt hat, die „verlorenen Schäflein“ wieder „in den Schafstall“ zurückzuholen. Das Motiv des guten Hirten ist meiner Meinung nach das Leitmotiv des Papstes, an dem er sein ganzes Pontifikat zu orientieren beabsichtigt. Das hat er in seiner Antrittspredigt eingehend kundgetan. Mich hatte damals diese Predigt zutiefst gerührt und meine Kollegen und ich wollten darin den radikalen Kurswechsel vom Hüter des rechten Glaubens (Ratzinger als Glaubenspräfekt) zum Papst Benedikt erkennen, der wie der gute Hirt das Verlorene sucht. Von daher glaube ich nicht, dass der Papst harmoniebedürftig sei, sondern vielmehr darauf bedacht sei, die Einheit im Glauben wieder herzustellen und die Zerrissenheit bzw. die Trennung zwischen Christen zu überwinden, vielleicht auch angesichts anderer Weltreligionen, wie die Moslems, die im Vormarsch sind und die zukünftig eine sehr große Herausforderung an uns Christen stellen werden. Denn es ist besser dieser Herausforderung geeint als getrennt zu begegnen.

    Vielleicht ziehe ich das Ganze mit den Haaren herbei. Deswegen möchte ich mich hier nicht festlegen. Ich schließe aber von vorne herein aus, dass der Papst in irgend einer Weise aus „Mauvaise foi“ (Unaufrichtigkeit) gehandelt hätte. Sein Fehlverhalten beruht vielmehr auf einem Mangel an Realitätssinn, bedingt durch ein lebenslanges Verweilen in intellektuellen Sphären, die leider in vielerlei Hinsicht wirklichkeitsfern sind.

    Diese unglückliche Entscheidung des Papstes hat auch bei uns in Luxemburg bewirkt, dass mehrere Katholiken aus der Kirche ausgetreten sind (seit der Aufhebung der Exkommunikation bis heute sind es deren 500). Diese Initiative geht von der „Libre pensée“ (Freidenker) aus, die diese Angelegenheit benutzen, um ihre Kirchenfeindlichkeit zu untermauern. Ich konnte mich mit einigen ganz einfachen und ehrlichen Christen über die Angelegenheit unterhalten. Diese bedauern das Fehlverhalten des Papstes sehr, gestehen ihm aber das Recht zu, sich wie jeder andere zu irren und erkennen in seiner Entscheidung keinen plausiblen und ausreichenden Grund, der Kirche den Rücken zu kehren. Menschen mit gesundem Menschenverstand werden weiterhin wie zuvor auf die Güte und Menschenfreundlichkeit des Papstes setzen.

    Du lässt in Deinem Brief an Papst Benedikt eine echte und unbestechliche Liebe zur Kirche durchblicken. Du zeigst Dich von der Angelegenheit tief berührt und möchtest mithelfen, dem Problem eine Lösung zuzuführen. Ich würde den Brief auch unterschreiben. Einen Punkt aber würde ich vielleicht nicht so einbringen, wie Du ihn formulierst, nämlich den Papst aufzufordern, seinen Fehler zu bekennen. Zitat: „Nun bitte ich Sie, dass Sie Ihren Fehler bekennen.“ Ich glaube, dass man bei weitem mehr erreichen und sogar unter Umständen eine Aenderung herbeiführen kann, wenn man sich mit einem „Feedback“ begnügen würde. Als Katholiken müssten wir uns massiv zu Wort melden und dem Papst mitteilen, was er mit seiner Entscheidung, Bischof Williamson wieder in die Kirche aufzunehmen, ausgelöst hat, was er in den Herzen der kirchentreuen Katholiken damit bewirkt hat: Bestürzung, Ratlosigkeit, Unverständnis, Trauer, Verstörung etc. Das Feedback würde reichen, denn es eröffnet dem Papst die Möglichkeit, sich in das einzufühlen, was er durch sein Fehlverhalten bei uns Katholiken ausgelöst hat. Dieser Einfühlungsvorgang führt zu einer Selbstreflexion und müsste ipso facto den Weg freimachen für eine Erklärung von seiten des Papstes und, warum nicht, für neue Entscheidungen, die Du ja auch wünschst. Zitat: „Jetzt gehören Entscheidungen getroffen.“

    Ich hoffe, dass ich mit dieser Stellungnahme auf Deine Frage eingegangen bin und verbleibe
    Mit freundlichen Grüßen
    Kirchen Fan